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Bodenhandwerk

Das Bodenhandwerk umfasst Dienstleistungen, die sich mit dem fachgerechten Einbau, der Reparatur und der Reinigung und Pflege von elastischen, textilen und Holzbelägen vorsehen. Zum Bodenhandwerk zählen die vier Berufe Bodenleger, Parkettleger, Estrichleger und Raumausstatter.

Bodenleger gestalten mit dem Verlegen von elastischen und textilen Bodenbelägen, Fertigparkett und Laminatböden und setzen diese Böden instand. Dabei wird der Untergrund geprüft und für die anschließende Bodenverlegung vorbereitet. Am Ende installieren sie die Wand- und Sockelabschlüsse und erstellen so einen gebrauchsfertigen Boden. Die Reinigung und Pflege von Neu- und Altböden gehören ebenfalls zum Berufsbild sowie die Kundenberatung. Parkettböden aus Echtholz verlegen Bodenleger dagegen nicht. Das ist Parkettlegern vorbehalten.

Bodenleger verlegen Bodenbeläge, wie:

Der Beruf des Bodenlegers entwickelte sich aus dem Berufsbild des Linoleumlegers. Linoleum war der erste elastische Bodenbelag, der 1860 von seinem Erfinder Frederik Walton patentiert wurde. Ab 1936 kamen erste elastische Bodenbeläge aus PVC auf dem Markt. Anfang der 1960er Jahre wurden erstmals im größeren Umfang Teppichböden produziert. Lange Zeit gab es keinen Handwerksberuf, der sich mit dem Verlegen dieser neu entwickelten Materialien auskannte. Verschiedene Betriebe, die sich mit dem Gestalten von Innenräumen befassten, haben dann als Teilgewerk das Verlegen von Bodenbelägen mit übernommen. Vorrangig sind hier die Maler-, Tapezierer- und Raumausstatterbetriebe zu nennen. Verstärkt wurden auch ungelernte Mitarbeiter eingestellt, die sich nur mit dem Verlegen von Bodenbelägen befassten. Der Beruf Bodenleger wurde 1965 als handwerksähnliches Gewerbe in die Handwerksordnung aufgenommen, ohne aber als Vollhandwerk, oder anerkannter Ausbildungsberuf anerkannt zu werden. Seit 2002 gibt es in Deutschland den anerkannten Ausbildungsberuf Bodenleger.

Neben den spezialisierten, reinen Bodenlegerbetrieben, die als Dienstleister nichts anderes als das Verlegen von Fußböden ausführen, gibt es noch Betriebe aus dem Bereich Raumausstattung oder Maler, die eigene Betriebsabteilungen unterhalten, die fast ausschließlich Bodenbeläge verlegen. Bodenleger werden auch in Fachgeschäften für Bodenbeläge, Einrichtungsabteilungen von Warenhäusern oder im Messebau beschäftigt.

Parkettleger verlegen, behandeln, pflegen und restaurieren in erster Linie Parkett- und andere Holzfußböden. Außerdem übernehmen sie das Verlegen von Laminatböden, von textilen und elastischen Bodenbelägen sowie den Ausbau von Terrassen und Balkonen aus Holz.

Parkettleger verlegen Bodenbeläge, wie:

Parkettleger gestalten Böden beispielsweise mit folgenden Parkettarten:

Parkett gilt als hochwertiger Fußboden, es wird aus Eiche, Ulme, Esche, Buche, Nußbaum und exotischen Hölzern hergestellt. Zudem haben im 17. und 18. Jahrhundert ausschließlich Kunsttischler Parkett in den Wohnräumen eher wohlhabender Menschen verlegt. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde Parkettboden durch bessere maschinelle Herstellungs- und Bearbeitungstechniken auch für die breite Bevölkerung erschwinglich. Um den gestiegenen Bedarf zu decken, bildeten sich nun erste auf Parkett spezialisierte Handwerksbetriebe. Der Beruf des Parkettlegers wurde 1965 in Deutschland bei der Novellierung der Handwerksordnung in die Anlage A übernommen und wurde damit als Vollhandwerk auch Ausbildungsberuf.

Parkettleger arbeiten hauptsächlich im Ausbauhandwerk, das heißt in Betrieben, die speziell Parkett und Fußböden verlegen, oder aber restaurieren. Darüber hinaus sind sie in Fachgeschäften für Bodenbeläge mit Parkettlegeservice tätig.

Estrichleger stellen Estriche aus verschiedenen Materialien her, die entweder als Unterböden mit Belägen versehen werden können, oder als unmittelbare Nutzböden dienen. Dazu bereiten sie den Untergrund vor, stellen Estrichmörtel her und verarbeiten ihn. Sie bringen schwimmende Estriche, Verbundestriche oder Estriche auf Trennschichten ein, tragen Kunstharzschichten auf und bauen Hohlraum- und Doppelböden ein. Weiterhin verlegen sie Oberböden aus Platten, Bahnen und Laminaten. Falls erforderlich bauen sie auch Dämmstoffe für den Wärme-, Kälte- und Schallschutz ein.

Estrichleger verarbeiten Bodenbeläge, wie:

Estrichleger arbeiten in spezialisierten Estrich- oder Fußbodenlegebetrieben, sowie in Unternehmen der Hoch- oder Ausbaubranche.

Tätigkeiten

Raumausstatter gestalten Räume, einzelne Raumteile sowie Polstermöbel nach Kundenwünschen. Sie verlegen textile und elastische Bodenbeläge, polstern und beziehen Sitzmöbel, bekleiden Wände und Decken sowie gestalten, fertigen und montieren Raumdekorationen sowie Licht-, Sicht- und Sonnenschutzsystem.

Raumausstatter verlegen Bodenbeläge, wie:

In Frankreich ist der Beruf des Raumausstatters seit dem Mittelalter bekannt, allerdings unter dem Namen „tapissier“. Der Berufsstand hat damals Burgen mit Fußteppichen, wertvollen Wandbespannungen sowie gepolsterten Sitzkissen und Liegemöbeln ausgestattet. In Deutschland gibt es den Raumausstatter seit 1965. In diesem Jahr wurden die Einzelberufe Polsterer, Dekorateur und Tapezierer zu diesem einen Beruf zusammengefasst. Im Jahr 2004 erfolgte eine Neuordnung des Berufs, der ehemalige Monoberuf wird seitdem in den vier Schwerpunkten Boden, Polstern, Wand- und Deckendekoration sowie Raumdekoration mit Licht- Sicht- und Sonnenschutzsystemen ausgebildet.

Raumausstatter arbeiten im Ausbauhandwerk, das heißt in klassischen Raumausstatterbetrieben. Weiterhin sind sie in Polsterwerkstätten, Wohn- und Einrichtungsstudios, Fachgeschäften für Bodenbeläge, Sicht- und Sonnenschutzsysteme, oder Dekorationen, Möbel- und Warenhäusern sowie Werkstätten, die Bühnenbilder für Opern- und Schauspielhäuser oder Fernsehproduktionen ausstatten, tätig.

Alle vier Berufe im Bodenhandwerk sind in Deutschland anerkannte Ausbildungsberufe.

Die Ausbildung erfolgt im dualen System. Das heißt, die Auszubildenden bekommen in der Berufsschule theoretische sowie berufspraktische Kenntnisse vermittelt und in ihrem Ausbildungsbetrieb die Arbeitsabläufe und praktischen Tätigkeiten ihres Handwerksberufs. Die Berufsschule findet entweder an ein bis zwei Tagen pro Woche, oder aber im sogenannten Blockunterricht statt. Dann lernen die Auszubildenden immer an drei, oder vier aufeinander folgenden Wochen in der Berufsschule und sind dann wieder mehrere Wochen am Stück im Betrieb. Die Ausbildung der Boden- und Parkettleger findet ohne Spezialisierung statt. Die Raumausstatter dagegen müssen sich seit 2004 für einen von vier Ausbildungsschwerpunkten entscheiden:

Die Ausbildung in den drei Berufen des Bodenhandwerks dauert in der Regel drei Jahre. In Ausnahmefällen (Abitur, bereits ähnlichen Berufsabschluss, überdurchschnittliche Leistungen im Betrieb und in der Berufsschule) kann die Ausbildung um bis zu ein Jahr gekürzt werden.

Die Ausbildung endet mit Bestehen der Gesellenprüfung. Die Prüfung besteht in allen drei Berufen des Bodenhandwerks aus einem mehrstündigen schriftlich-theoretischen Teil sowie einem praktischen Teil, der den Prüflingen jeweils zwei verschiedene Arbeitsaufträge erteilt. Diese müssen fachgerecht ausgeführt, dokumentiert und in einem anschließenden Fachgespräch mit dem Prüfer begründet werden.

Im Ausbildungsjahrgang 2011 haben 240 Bodenleger eine Ausbildung begonnen. Davon haben 71 Prozent den Hauptschulabschluss, 21 Prozent den mittleren Bildungsabschluss, acht Prozent keinen Schulabschluss.

Im Jahr 2011 haben 315 Parkettleger die Ausbildung aufgenommen. Davon besitzen 72 Prozent einen Hauptschulabschluss, 19 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss, drei Prozent die Hochschulreife (Abitur) und fünf Prozent keinen Schulabschluss. Weitere sechs Prozent hatten im Vorfeld an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teilgenommen.

Im Jahr 2011 begannen 855 Raumausstatter eine Ausbildung. Davon haben 42 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss, 36 Prozent einen Hauptschulabschluss, 18 Prozent die Hochschulreife (Abitur) und drei Prozent keinen Schulabschluss. Fünf Prozent hatten an einer Berufsvorbereitungsmaßnahme teilgenommen.

Nach der Gesellenprüfung können Parkettleger und Raumausstatter eine Meisterausbildung beginnen. In der Meisterausbildung werden vertiefende Handwerkskenntnisse sowie Betriebswirtschaftslehre, Buchführung und Mitarbeiterführung gelehrt. Zudem erwerben Meister den Ausbilderschein.
Für die Berufe des Bodenhandwerks ist der Betriebswirt des Handwerks eine weitere Möglichkeit der Weiterqualifizierung.

Boden- und Parkettleger haben die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Teamleiter oder zum Bauleitern zu absolvieren.
Für Parkettleger gibt es außerdem noch den Techniker für Holztechnik und den Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerneuerung.
Raumausstatter, die sich im Bereich der Gestaltung weiterqualifizieren wollen, können sich für den Gestalter im Handwerk entscheiden.

Fachhochschulen bieten Absolventen eines Bodenhandwerkberufs Studiengänge an. Mögliche Zugangsberechtigungen sind entweder das Abitur, die bestandene Meisterprüfung, abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung.

Nach bestandener Prüfung können Gesellen im Bodenhandwerk einen eigenen Handwerksbetrieb im Bereich Boden, Parkett, oder Raumausstattung eröffnen beziehungsweise einen bestehenden übernehmen. Die Meisterpflicht besteht hierfür seit 2004 nicht mehr. Wer als Selbständiger ausbilden möchte, braucht dafür in Deutschland eine Ausbildungsbefähigung.